Story von Biesheim 2006Biesheim sei die beste Strecke zum Trainieren heisst es. Mir ist sie ein bisschen zu einfach. Aber eigentlich ist's egal wo man fährt, Kartfahren macht fast überall Spass. Die Zusammenfassung eines mehr oder weniger ereignissarmen Wochenendes, immerhin aber mit schlechtem Wetter: Samstag-TrainingIn der Formel-1 ist's der Freitag, bei uns diesmal der Samstag, wo's die letzten Vorbereitungen zu treffen gilt. Ich komme so ungefähr um 1500 auf den Platz, zwei Stunden später als geplant... Genau dann, wenn ich mein Zeug irgendwo zwischen die anderen Fahrer in die Boxengasse reingequetscht habe, fängt's auch schon zu tröpfeln an. Ich wollte ehh noch meinen Vergaser mit den neuen Teilen ausrüsten, die dieses Jahr für die RotaxMax-Motoren erlaubt sind: Ne neue Düsennadel, leichtere Schwimmer und grössere Leerlaufdüsen. Sollen bessere Gasannahme, geringeren Benzinverbrauch und ruhigeren Leerlauf bringen. Mal sehen, mein Motor hat in letzter Zeit gröberen "Gluggsi" gezeigt, siehe Rennbericht von Levier. Danach geht's raus auf die Piste. Immerhin sind noch Slicks angesagt. Also mal die Rutschfestigkeit der Strecke testen. Naja, geht noch. Ist ja auch noch fast trocken. Aber aufpassen muss man schon. An Abstimmungsarbeiten ist für mich so nicht zu denken. Die Bremspunkte sind ziemlich weit früher anzusetzen, manchmal rutsch's gewaltig- Für Adrenalin ist stets gesorgt. Irgendwann regnet es stärker, zu viel Wasser für Slicks. Da schau ich besser ein wenig zu und warte auf bessere Zeiten. Einen angebrauchten Satz Regenreifen habe ich zwar, aber den möchte ich lieber für morgen aufsparen. Später erfahre ich, dass die Mojo-W1-Regenreifen viel weniger stark abbauen wie die D1-Slicks. Andere Piloten fahren die Regenreifen runter, bis kein Profil mehr sichtbar ist, und sind immernoch nicht viel langsamer wie mit Neuen. Solange das Wasser nicht auf der Piste steht natürlich. Ich hätte also doch noch ein bisschen trainieren können. Regenreifen fühlen sich halt extrem anders an wie Slicks. Und die Ideallinie ist im Regen ehh völlig anders wie bei Trockenheit. Da heisst's plötzlich, ja nicht auf den sonst idealen Gummiabrieb zu gelangen. Da ist's nämlich wie Glatteis. Das Kart geht dann typischerweise ohne jeglichen Grip auf einem Wasserfilm geradeaus in die Wand. Oder man fährt Karusell,ohne Chance, irgendwas abzufangen. Irgendwann ist der Tag zu Ende. Auch gut. Morgen werden wir sehen wie's weitergeht. Umbauen auf Regen tue ich auch erst morgen, dann habe ich genügend Zeit, wenn's denn überhaupt nötig sein sollte. Nach einem guten Nachtessen mit Freunden (und ZWEI guten Taten) leg ich mich im Zelt schlafen. Sonntag MorgenEs regnet. War ja vorauszusehen. Trotzdem hofft man bis zuletzt. Andrerseits hab ich eigentlich auf Regen gehofft, wenigstens auf sichere Verhältnisse. Nix Mühsameres, als wenn das Wetter alle 15 Minuten umschlägt. Da kommt man aus dem Schrauben nicht mehr raus, hat extremen Zeitdruck und macht somit Fehler. Wie im Hoch-Ybrig, wo ich letztes Jahr meine Räder nicht richtig befestigt habe. Manchmal ist's auch nur ein Tankdeckel, der fehlt. Grund genug um nicht anzukommen. Die zwei Warmups finden noch bei trockener Piste statt. Übersetzung mach ich mal auf 13:85, wie vor einem Jahr. So komm ich aber nie aus den Kurven raus. Ausserdem fängt's jetzt schon richtig an zu regnen. Also Regenreifen und gleich ein ganzes Stück kürzer übersetzen, 12:85. Irgendwie geht's nicht so richtig, im Zeittraining fehlen mir Stunden und Tage zu den Vorderleuten. Nicht so schlimm, denk ich, im Rennen wird der vorne sein, der überhaupt ankommt. 1. VorlaufIch komm gut weg, bewege mich in einer kleinen Gruppe, vorne sind die Schnellen alle schon weg. Aber ich bin noch dabei. In der Kurve vor den Boxen schieb ich mich aber in meinen Vorderman rein. Leider kann ich das Kart dabei nicht mehr halten und dreh mich weg. Yanik findet das nicht ganz so lustig, kommt aber mit einem leichten Schubser ohne Schaden an mir vorbei. Schade, obwohl ich locker wieder weg komm, habe ich sicher 15 Sekunden verloren. 11 Sekunden hätten mir am Ende für den 3. Rang gereicht. Die zwei vorletzten Runden versuche ich nur, mich vor der Überrundung zu retten. Find ich halt immer blöd, nicht die "ganze" Renndistanz gefahren zu sein. Das gelingt mir um eine Sekunde, der Rennleiter muss die Fahne ziemlich gut timen, um Sekundenbruchteile nach meiner Durchfahrt den Sieger abzuwinken. Schon ist Mittagessen. Wenn's am Nachmittag nach Regen aussehen sollte, montiere ich einen neuen Satz Regenreifen. Zum Glück sieht aber alles trocken aus. Das wäre ein blöder und teurer Fehler gewesen. Neue Regenreifen scheinen ja nicht viel zu bringen, wenn man die Zeiten der anderen Fahrer vergleicht. Dann gibt's also jetzt einen neuen Satz Slicks. 2. VorlaufMitterweile bin ich soweit, dass mir die Renndistanzen nicht mehr so zusetzen. Ich kann mich mittlerweile über die ganze Renndauer genügend konzentrieren, um nicht irgendwo von der Piste zu segeln, bloss weil ich mental und physisch am Ende bin. Sonst ist nichts aussergewöhnliches passiert. Am Schluss ende ich im 3. Rang. Während der Fahrt is mir aufgefallen, dass mein Kart vorne ziemlich zickig ist, nervös, ich kann die Lenkbewegungen gar nicht ruhig einfliessen lassen, bin ständig am korrigieren. Nach 3 Jahre weiss ich jetzt wenigstens, dass ich das mit einem schmaleren Radstand vorne korrigieren kann. Nach dem Lauf baue ich deshalb vorne je einen halben Ring schmaler. Plötzlich regnet's wieder wie aus Kübeln. Alle fragen sich, ob schon wieder auf Nass umgebaut werden muss. Ich geh' mal was essen, um noch ein wenig Zeit für den Entscheid zu schinden. Die F1 hat dazu aus guem Grund eigene Wetterdienste. Mit einem Internet-Anschluss könnte ich wohl auch irgendwo ein Regenradarbild finden, wo man ziemlich genau sehen würde, wo und wann's wieder regnen wird. Aber so ist's eine Entscheidung auf gut Glück. Schon letztes Jahr mussten wir den Final auf Slicks beginnen, um nach zwei Drittel wegen Regen abzubrechen. FinalIch bau' nicht um. Und das Wetter wird sogar halten. Meine Übersetzung ist mittlerweile auf 12:81, wie bei den Cracks. Dank Christoph findet auch der Tankdeckel noch den Platz wo er hingehört. Hab ich im Bericht von Vesoul eigentlich erwähnt, wie sich's anfühlt, wenn sich Benzin während dem Rennen seinen Weg durchs Kombi zu intimeren Orten sucht? Im Gegensatz zu Levier scheint die Übersetzung heute auch für mich zu stimmen. Wenn man die Rundenzeiten anschaut bin ich plötzlich gar nicht mal so schlecht dabei, nur wenige Zehntel langsamer wie die Spitze. Meine Korrektur an den Vorderachse stellt sich ebenfalls als perfekt heraus. Das Kart liegt so gut wie noch nie. Vorder- und Hinterachse bewegen sich recht harmonisch sowohl beim Kurvenein- wie auch im -ausgang. Warmluftdruck ist rundum 0.85 oder so. Die neuen Vergaserteile funktionieren perfekt. Früher musste ich den Motor auch auf der Bremse mit leicht geöffnetem Vergaser unter Druck halten, wie ein Turbo. Sonst hätte ich nach jeder Kurve eine Verschnaufsekunde gehabt. Mit den neuen Teilen geht der Motor aus den Ecken heraus wirklich gut und unterbruchsfrei. In den FAQs gibt's übrigens eine neue Düsentabelle für die neuen Teile. Bitte verwechselt die Vergasereinstellungen für die Düsennadel K27 und K98 nicht, die K98 braucht viel fettere Düsen! Blöd, dass ich ein solches Setup immernoch nur mit Glück hinkriege. Aber was soll ich schrauben, wenn ich ehh keine Ahnung und kein Gefühl habe, was etwas bringen könnte? Theoretisch weiss ich einiges, aber "fühlen" kann ich's nicht. Manchmal bin ich auch einfach zu faul, "irgendwas" zu probieren. Ist ja recht anstrengend. Notizen über die Änderungen, immer nur eine Änderung pro Testlauf, Zeiten erfassen.... Karting soll ja Spass machen! Aber weiter vorne anzukommen macht eben auch Spass... :-) FazitMeine "Neue-Reifen-für-jedes Rennen"-Strategie scheint sich zu bewähren. Auch die ständige Putzerei lässt mich ruhiger arbeiten, weil ich nicht in der letzten Minute vor dem Start noch was reparieren muss. Im Regen muss ich noch mehr lernen als nach dem Rennen in Vesoul gedacht. Da bin ich ja plötzlich ziemlich weit vorne gestanden, hier aber leider eher wieder weiter hinten :-( Jetzt wo ich weiss, dass die Regenreifen nicht ganz so schnell alt werden, könnte ich mal einen Regentrainingstag einschalten. Nach diesem Rennen bin ich im Jahreszwischenklassement vom 4. auf den 3. Rang gerutscht. Wenn ich die Tendenz aufrecht erhalten kann, bin ich nach dem nächsten Rennen auf Rang 2 und nach dem übernächsten Rennen auf Rang ... |
![]() |
![]() |