Rennbericht von Hoch-Ybrig 2006Gut gebremst ist halb gewonnen :-)Letztes Wochenende war wieder unser alljährliches Heimrennen auf dem Parkplatz der Hoch-Ybrig-Drahtseilbahn. Zuhinterst im Tal, da wo die Strasse aufhört, Weglosen heisst der Ort treffenderweise. Da fahren wir auf einer Strecke, die nur für dieses eine Wochenende aufgebaut wird. Wie Monaco eben, aber keine Yachten und weniger Girls. Der Rest passt ziemlich gut. Enge Kurven, Bretterwände links und rechts, kaum Auslaufzonen. Wenn Du Dich verbremst, kracht’s wahrscheinlich. Wieder ein Bericht über das, was so passiert an einem durchschnittlichen Kartwochenende. Ich habe im Moment an allen Fronten grad so viel zu tun, dass ich mein Kart kaum vorbereiten kann. Diesmal hat’s immerhin gereicht, die richtige Übersetzung zu montieren, nachdem ich ja in "Vesoul im Final die Kette verloren und den Zahnkranz zerstört habe. Eigentlich habe ich bloss das Kürzeste draufgemacht, was ich hatte, 12:87. Das musste reichen. Die Düse habe ich anhand meiner Tabelle bestimmt. 30 Grad und 920mbar ergibt Düse 162 und ne 10er-Kerze. Ein bisschen putzen, hier und dort einen neuen Kabelbinder, Benzinfilter reinigen, einpacken, fertig und weg. Am Samstag morgen bin ich schon um 0830 auf dem Platz. Schon ziemlich viele Leute hier, alles voller Zelte, Anhänger, Busse. Ich bin offenbar eher Spätaufsteher. Irgendwo find ich noch ein Plätzchen. Schon lustig, manchmal sind die besseren Plätze noch frei und Du fragst Dich, was wohl der Hacken an diesem Platz sein könnte. Hmm, mir hat’s gepasst. Zelt aufstellen, heute sogar die Seitenwände dabei, das ergibt noch besseren Sonnenschutz. Die Werkzeugkiste scheint auch vollständig zu sein, Benzin, neue Reifen, geladene Batterie, Sonnenbrille, alles da. Das erste Training verpass’ ich zwar, aber eigentlich habe ich sogar damit gerechnet, auch das zweite nicht zu schaffen. Aber da bin ich schon voll dabei, mit den alten Reifen noch ein paar Runden zu drehen. Und wieder Bremsentheater! Da habe ich sichtlich zuwenig Luft zwischen Bremsbelag und Scheibe, sodass sich die Bremse bis zur Rauchentwicklung aufheizt. Schlecht, denn sowas bremst nicht wirklich... Nach der Schrauberei stimmt das Spaltmass, aber jetzt ist Luft in der Bremse. Also gut, entlüften und jetzt ist gut. Früher war ich wohl immer zu sparsam mit der Bremsflüssigkeit. Da muss schon einiges an Bremsöl durch, bis die letzte Blase weg ist und das Öl komplett sauber aus dem System rausläuft. Ab jetzt ist’s technisch schon fast langweilig. Ausser dass ich den Reifendruck nach dem zweiten Vorlauf noch einwenig runternehm , passiert nämlich nix mehr. Benzin nachfüllen und schmieren natürlich, sonst nix. Für Hoch-Ybrig ist das schon eher selten. Rund um meine Box werden krumme Hinterachsen gewechselt, verbogene Verschalungen ersetzt, gerissene Ketten, krumme Kettenblätter… Was am Kart dran ist, geht hier oben kaputt.
ZeitfahrenMental versuch ich’s hier ganz ruhig anzugehen. Letztes Jahr habe ich im Rennen Räder verloren, Hinterachsen gekillt und mich auch sonst einige Male ins Nirwana gedreht. Nur mit viel Glück ist nix passiert. Dieses Mal soll’s einigermassen kontrolliert abgehen. Also im Zeitfahren ruhig und konzentriert fahren, nicht chaotisch und brutal. Eigentlich ist ja Karting nicht so „wild“ wie’s von aussen aussieht. Anstrengend und Kräftraubend, für Körper und Psyche. Mit dem Messer zwischen den Zähnen kommt’s aber meistens nicht gut. Es gibt zwei echt anstrengende Stellen auf dieser Strecke. Der Sprung vor der Zielgerade ist wild. Je nach dem wie man anfährt geht’s gut, oder es schläg einen halb tot. Die Sprungkante ist ziemlich genau im Scheitelpunkt einer Rechtsbiegung. Man hebt also ab und versetzt in der Luft nach Links. Wenn das Kart den Boden wieder berührt, schlägt es einen voll gegen die Rippe. Sorry, aber ich geh vor der Kuppe vom Gas und erwisch’s so manchmal recht passabel. 25 Runden „voll“ da drüber kann ich mir nicht vorstellen. Überholen kann da eh keiner und ich erwisch die Anfahrt zur Zielgerade so recht gut. Die andere entscheidende Stelle ist die Schikane hinter dem Parkhaus. Die 180-Grad-Rechts muss weit angefahren werden, sodass man einen weiten Bogen in die Auffahrt hoch ziehen kann. Aber nicht zu weit, sonst schlüpft einer innen durch. Und nicht zu eng, sonst stirbt man den Hügel hoch und der andere zieht locker vorbei. Oben nach der Steigung hat’s über 2 Drittel der Fahrbahn einen Graben. Voll drüber oder rechts daran vorbei? Da scheiden sich die Geister. Ich wähl’ unten weit, Mitte Steigung nach rechts ziehen und ohne Knall am Graben vorbei. Ich dreh’ also meine Runden, versuche die Linie zu finden, probier’ so dies und das, hier direkter auf den Scheitelpunkt zu, da weiter ausholen, mal Kampflinie fahren. Die Zeit wird dann schon stimmen. Einige krallen sich schon an mein Heck als wären wir mitten im Rennen. Da ein Schubser, dort ein gewagtes Überholmanöver. Lustig, einmal sticht einer Ende Zielgerade innen vorbei, nur um gleich viel zu weit aus der Kurve getragen zu werden. Und schon bin ich wieder innen durch. :-) In der nächsten Runde dasselbe noch mal, dabei dreht er sich aber definitiv von der Bahn. Und das im Zeittraining! Taktik? Ein Fremdwort. 1. VorlaufFällt mir grad nicht ein, wo ich mich einreihen konnte. Aber nicht so glänzend. Immerhin haben sich meine Vorahnung aus dem letzten Rennen in Vesoul bestätigt: Mit neuen Reifen bin ich irgendwo bei den Leuten. Die Vesoul-Reifen waren zwar ungebraucht, aber viel zu alt und damit Schrott. Start. Ein bisschen Getümmel, nix gravierendes. Der Start ist immer das stressigste und auch gefährlichste. Besonders wenn man in der hinteren Hälfte starten muss. Da gibt’s schon in der Einführungsrunde chaotische Zustände weil man der Spitze im Getümel nie nachkommt, manchmal fast stillsteht, dann wieder hinterher rast. Wenn’s vorne knallt, bist Du am hinteren Ende IMMER betroffen. Naja, ist alles gut gegangen. Und es kam noch besser. Vorne sind viele ausgefallen, entweder durch Defekte oder durch Crashes. Plötzlich wurde ich als problemloser Zweiter abgewunken. Ich freu mich ja schon riesig, wenn ich überhaupt ankomme. Wenn ich dann aber sogar auf die Waage muss, bin ich üblicherweise leicht irritiert. Und das sollte mir noch ein paar Mal passieren…
2. VorlaufJetzt start ich also als zweiter. Hier vorne ist die Luft schon einiges besser. Übersichtlicher, weniger hektisch. Ziemlich füh schon wieder ein Knall, um den ich aber gut herum komme. In den Augenwinkeln seh ich zwei Rotaxen vorbeiziehen. Man muss sich ja vorstellen, dass wir 7 Rotaxen ja mit 15 Fahrten von 100ern starte. Die zählen nicht zum selben Klassement, können mir also recht egal sein. Aber die zwei Rotaxen, die sind dann eben auf der Rangliste vor mir. 15 Runden, das ist ganz schön lang. 15 Runden konzentriert je 4 Vollbremsungen, in 10 Kurven den Scheitelpunkt zutreffen, zentimeternahe an der Wand entlang. Und kein Fehler, das ist die Hauptsache. Überholen ist extrem schwierig, gelingt eigentlich nur, wenn der vorne nen Fehler macht. Was heisst das? Besser einwenig früher vom Gas, kontrollierter bremsen, keine Chaos-Übungen. Kampflinie? Sicher, was sonst? :-) Immer schön in der Mitte, ein bisschen breiter als nötig, aber nie gefährlich. Auf der Strecke rumzacken, unvorhersagbare Schlenker geht nicht. Wenn einer von hinten vorbeikommt, sobald seine Nase weiter vorne ist wie meine gehört die Kurve ihm. Das ist dann aber schon extrem schwierig. Vorallem ist er zu dem Zeitpunkt wohl ein Stück schneller wie ich und muss das auch zuerst wieder zusammenbremsen. Viel Glück! Trotzdem, die wirklichen Cracks schaffen’s, wie weiss ich auch nicht. Am Ende steh ich wieder auf Platz zwei. Irgendeiner der zwei ist irgend wo rausgefahren oder so und hat mich wieder vorbei gelassen. Nett! FinalOk, das ist jetzt aber schon ein wenig seltsam. Sind zwar nur 7 Piloten in meiner Klasse, trotzdem steh ich sozusagen auf Pole. Nach 100 Metern hat sich das dann schon wieder gegeben: auf meiner Seite kracht’s leicht und ich steh im Stau. Zwei Rotaxen gehen an mir vorbei. Noch 24.5 Runden. Keine Fehler, kein Chaos, keine Konzentrationslücken, nirgends anschlagen. 24.5 Runden lang. Mein Puls ist 20 Minuten lang auf 180, kein Witz. Von wegen nur so ein bisschen im Auto sitzen… Wahrscheinlich beanspruch ich meine Hinterreifen zu stark. Beim Bremsen quitsch’s immer furchtbar. Bei andern zwar auch, bei den Cracks aber weniger. Trotzdem bremsen die aj nicht „langsamer“. Aber vielleicht überhitzen sie die Reifen nicht so? Ohne Quitscherei geht’s auch, sogar ruhiger und kontrollierter. Die Gefahr, die Bande zu touchieren oder ins Aus zu rutschen ist auch geringer. Also, geht schon. Hinter mir hat sich unterdessen eine kleine Gruppe gebildet, die sich gegenseitig angreift. Vorbei kommt aber keiner mehr. So werd ich DRITTER! Das dritte Mal auf die Waage also. FazitWenig geschraubt, wenig kaputt gemacht, relativ ruhig durch’s Wochenende, zwischen den Läufen sogar an der Sonne geschlafen. So funktioniert’s! Hey, Ziel dieses Jahr war ein Podestplatz, jetzt könnte ich in dem Fall eigentlich schon aufhören :-)
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