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Und jetzt als krönender Abschluss meiner Saison, das letzte Rennen, nochmals in Levier.VorbereitungWenn Ihr meine alten Stories gelesen habt, dann wisst Ihr, dass ich mich schon das vorletzte Mal in Biesheim auf Rang drei vorgeschoben habe, und beim letzten Rennen in Autoreille sogar auf Platz 1 gelangt bin. Die Cracks haben ja Autoreille ausgelassen und die Priorität der RotaxChallenge gegeben. Somit haben sie minddestens ein zählendes Resultat weniger, da wir diese Saison nur noch ein Streichresultat abziehen dürfen. Da fängt man natürlich an, so einiges zusammenzurechnen, schon mal potenzielle Streichresultate zu berücksichtigen, Strategien zurechtzulegen…. Das sieht dann etwa so aus: Gegen Rene hab ich in der Endabrechnung ehh keine Chance, da vor Levier nach Streichresultaten nur 2 Punkte übrigbleiben. Rene wird in Levier ehh zweimal gewinnen, Michi wird zweimal Zweiter oder so, also bleiben mir, wenn ich Glück habe, 2 mal 15 Punkte. Rene wird also Meister, ich vielleicht Zweiter. Nur nicht ausfallen ist die Devise. Dasselbe wie in Autoreille soll mir nicht noch mal passieren! Übermut und Euphorie lassen wir zuhause. Lieber langsamer, dafür ankommen und Punkte sammeln. Soweit. AnreiseSo um 1 Uhr Samstag Morgen bin ich auf dem Platz angekommen, habe mein Zelt aufgestellt (das behersche ich mittlerweile bei absoluter Dunkelheit, wo ist jetzt schon wieder der Hammer) und ab in den Schlafsack. Eine Stunde steht in Zelt das Wasser 5cm hoch, alle Kleider sind nass, draussen stürmt es, und ich geh rasch schauen, ob mein Schiebedach am Auto wirklich zu ist.Es war zum Glück zu. Aber am morgen habe ich fast keine trockenen Kleider mehr. Das fängt ja gut an. AuspackenZelt aufstellen und Anhänger ausräumen geht ganz fix. Alles da, alles richtig zusammen, alles auf Regen umbauen ist angesagt. Spur 10mm offen, Vorderachse ziemlich weit raus, hinten 137cm breit, Regenreifen auf 1,2bar, Powervalve 12 Clicks raus, Düse nach Tabelle, mehr weiss ich nicht und mehr Zeit hab ich auch nicht. Und raus geht’s. TrainingNaja, Training find ich schwierig. Ich bin immer viel langsamer weil’s nicht wirklich drauf ankommt. Heute konzentrier ich mich aber besonders, weil die Regenreifen wieder mal was anderes sind. Der Regen selber stört mich überhaupt nicht. Wenn ich erst mal nass bin, kann’s nicht mehr nasser werden. Und die Regenreifen bauen ja auch nicht so brutal ab, wenn sie mal angebraucht sind. Fahren im Regen hat zwei ganz verschiedene Seiten. Die erste Seite ist das Ruhige, sanfte, weiche. Es rutsch unendlich weit, man muss viel runder fahren die Reifen schmieren, wenn’s mal blockiert muss die Haftung viel schneller wieder zurückgeholt werden. Man braucht viel weniger Kraft, könnte sich eigentlich entspannen. Der Sitz drück nicht so sehr an die Rippen, recht angenehm. Die andere Seite ist die Konzentration. Man muss viel früher bremsen, muss sich früher auf alles vorbereiten. Die Ideallinie ist völlig anders, man fährt im Regen genau da, wo man im Trockenen keinen Grip finden würde. Wehe man gerät doch mal auf den schwarzen Gummiabrieb auf der „richtigen“ Ideallinie. Dann kommt der Pistenrand sehr schnell in schmerzliche Nähe. Aber ich kann das schon fast geniessen. Ich schnapp mir dann einen Crack und versuch für ein paar Kurven zu folgen und merk mir dabei die Linie. Das hilft Wunder! Manmuss nur aufpassen, dass der Vorfahrer nicht plötzlich bewusst einen Käse zusammenfährt um einen zu verwirren… ZeitfahrenSchon fang ich an zu pokern. Der Himmel zeigt fast keine Wolken mehr, regnen tut’s schon ein Weilchen nicht mehr. Wenn ich jetzt 5 Minuten des Zeittrainings opfere, krieg ich die Hälfte der Einstellungen wieder auf Trocken zurück. Das könnte eine Hammerentscheidung sein. Das klappt ganz gut. Die Topfahrer kann ich zwar nicht erreichen, aber ich bin mit Slicks 6 Sekunden schneller wie zuvor bei fast gleichen Bedingungen mit Regenreifen. Nicht schlecht! 1.VorlaufMentale Vorbereitung ist jetzt angesagt: Nur nicht abfliegen, weder in der ersten noch in der letzten Runde. Punkte sammeln! Die erste Kurve geht super, ich starte rechts und kann schon eng innen rum. Schon ziemlich weit vorne, kann ich das Rennen ziemlich stressfrei angehen. Nach einigen Runden muss Rene wegen defekter Kupplung aufgeben. Schade für ihn, gut für mich. Es rechnet schon mal ganz rassig im Hirn. Wow, auch wenn Rene den zweiten Lauf gewinnen sollte, hat er wohl noch keinen Punkt aufholen können. Ist der Gedanke gemein? :-) Hey, that’s racing! Es stehen aber noch ein paar Runden an.Ich kämpfe mit einem ziemlich ähnlich schnellen Fahrer. Der versetzt mir in einer ziemlich knappen Aktionen eine Schlag auf die hintere Felge, dass mir der Radstern 2 cm nach innen rutscht. Das Manöver war cool, aber auch riskant. Eine jener Situationen, die super war, wenn’s gelingt, wo Du aber auch der Volldepp sein kannst, wenn beide Karts 20m weiter im Acker liegen. Ein spannendes Hinundher, dass ich schlussendlich für mich entscheiden kann. Da ich den Lauf damit gewinne, sieht die Welt plötzlich ziemlich rosig aus. 2. VorlaufWieder ruhig werden im Kopf: Easy, nichts überhasten, „langsam“, kommt schon gut. Erste Kurve, nicht zu schnell, nicht wie in Autoreille. Es geht gut, schön eng innen vorbei, nicht mal jemanden angeschoben. Rene muss wegen dem Ausfall im 1.Vorlau von ganz hinten starten. Es geht glaub keine zwei Runden, da kommt er wie ein Flugzeug vorbei. Keine Ahnung wie das geht. Ich könnt den Speed nie halten! Mir würde alles um die Ohren fliegen! Ich könnte mein Kart zweimal pro Runde aus dem Reifenstapel ziehen, würd ich nur eine Kurve so schnell fahren. In Autoreille hab ich’s ja versucht… Gut, kein Problem, Rene wenn ich nicht ausfalle, wird Rene keine Punkte auf mich gutmachen können. Die Chance ist klein, dass ich am Ende des Tages in der Endabrechnung noch vorne bin, aber die Chance wächst! Im Moment habe ich aber andere Sorgen. Ein „kleiner“ JuniorMax schiebt mich recht anstrengend vor sich her. Natürlich hab ich keinen Grund Platz zu machen, schliesslich sind wir in der selben Runde. In den Kurven ist er wegen 20kg Mindergewicht ein Stück schneller, dafür zieht sein Kart mit 8 PS weniger nicht so gut denBerg hoch. Ziemlich ausgeglichen. Aber in JEDER Kurve bekomm ich einen Schlag. Wenn das nur gut geht. Irgendwann kommt der Zeitpunkt dann, wo ich den Bumms nicht mehr abfangen kann. Mein Kart kommt quer, dreht sich gaaanz langsam, und schon steh ich verkehrt auf der Strecke. Shit! Marc erwischt’s noch schlimmer, er fliegt in die Reifen. 12 Sekunden hat mich das Manöver laut Laptimer gekostet. Naja, trotzdem hab ich die beiden Vorläufe GEWONNEN! Also nix mit aufholen, ich habe meine Punkteposition sogar ausbauen können! Kommt gut. FinalMein potentieller Anwärter auf Platz zwei ist übrigens nicht hier. Das heisst, mit ein wenig Glück kann ich im Final Platz zwei erreichen, und werde sogar dann Meister wenn Rene gewinnt! Nicht nervös werden jetzt. Kart richtig vorbereiten, noch ein bisschen pützerle, hier noch nen Kabelbinder, noch einwenig schmaler vorne, genügend Benzin an Bord… Der Start: Alles geht gut. Ich dürfte immer rechts starten, also für die erste Kurve perfekt innen. Wieder geht alles gut. Rene ist wieder schnell an mir vorbei, keine Chance mitzuhalten. Obwohl, soo schnell scheint er nicht mehr wegzuziehen… Trotzdem, schnell ist er ausser Sichtweite. Von hinten kommt aber wieder mein Junior-Kollege, geht auf’s Ganze, schubst, versucht auf alen Seitenm gleichzeitig vorbeizukommen. Anstrengend, einen Dreher darf ich nicht mehr riskieren, schneller fahren kann ich nicht, sonst flieg ich ab. Ich muss mich dazu entscheiden, ihn überholen zu lassen. Manchmal ist weniger mehr, und heute ist so ein Tag. Viel muss ich nicht tun, er ist ja schon schneller, wenn ich nur ein kleines Loch offen lasse, ist er vorbei. Gut so. Ist ja nicht so, dass er gleich das Weite sucht. Aber die Schubserei ist wenigstens vorbei. Vielleicht kann ich ihn noch in nen Fehler drängen, vielleicht wird er nervös. Mal sehen, das Rennen geht noch ein paar Runden. Hey, was seh ich? Rene ist abgeflogen! Gibt’s ja nicht. Normalerweise stehe ICH irgendwo in der Pampa und such mein Kart. Aber irgendwas ist plötzlich komisch, das Kart achiebt in jeder Ecke über die Vorderachse. Regnet’s? Hab keine Tropfen auf dem Visier. Was genau ist los? Vorsichtig jetzt, keine Fehler, eher noch ein wenig langsamer und konzentrierter. Ist Regenlinie angesagt? Nein, das dann doch wieder nicht. Aber vorsichtig! Rechnerechnerechne. Hey, wenn Rene nicht gewinnt und ich Zweiter werde!!!! Wow, das ist ja cool! Für mich. So ist mir mein kleiner Kollege plötzlich ziemlich schnuppe. Durchkommen ist angesagt. Tönt mein Motor noch gut? Vibriert da was? Wieviel Benzin hab ich noch? Tönt der Motor immernoch gut? Aus den Augenwinkeln sehe ich Rene wie ne Rakete Positionen gutmachen. Aber es wird wohl nicht mehr reichen, mich zu überholen. Also ankommen. Noch zwei Runden, noch eine Runde, noch 4 Kurven, noch eine Haarnadel. Und ich seh die Zielflagge! Untergewichtig werde ich nicht sein, was soll mir noch passieren? Ich glaub ich bin Clubmeister!!!Crazy.Noch in Autoreille hab ich ALLES falsch gemacht, Material zerbrochen, mit unmöglichen Übersetzungen gestartet, 2 selbstverschuldete Dreher und einmal abgeschossen. Und jetzt so! Hey, darf ich nächstes Jahr mit der Nummer eins starten? Fazit:Fällt mir nicht viel ein. Meine Vorsätze aus den letzten beiden Saisons habe ich umgesetzt: Immer zum Kart schauen, wann immer Zeit bleibt, das Kart reinigen, man sieht immer was zu verbessern. Wenn’s nicht perfekt ist, wird’s wohl bald brechen. Vorsatz Nummer zwei: ganz einfach, bei jedem Rennen einen neuen Satz Slicks aufziehen. Die Mojos sind so grottenschlecht, beim zweiten Rennwochenende sind die Dinger sogar im Training richtiggehend gefährlich. Und vielvielviel Glück hab ich gehabt :-))))) |
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