STORIES, DIE DAS RACER-LEBEN SCHREIBT

Rennbericht von Vesoul 2006

Ok Christoph, Du wolltest ne Story, there we go.

Machen wir heute mal Web-Log-Style.

Vortag, 26. Mai

Da der Renntag morgen schon am Vormittag mit Zeitfahren und erstem Vorlauf los gehen wird, bin ich am Vortag zum trainieren da. Es hat schon ziemlich viel Leute vom Club da. Alle probieren rum und scheinen auch arg schnell zu sein. Ich habe schon mal neue Reifen drauf und nehme mir vor, wie „richtig“ die Änderungen am Chassis zu protokollieren um genau rauszufinden, WAS denn nun wirklich schneller macht. Sonst fischt man ja nur im Trüben und hat keine Ahnung wo etwas Sinn macht und wo man in die falsche Richtung geht. Nun ja, hier meine Liste:

<Report fehlt noch>

Die absoluten Zeiten lass ich mal weg, sonst lacht Ihr Euch tot...

Am Ende des Tages bin ich ziemlich ratlos. Haben sich die Zeiten wirklich wegen den Einstellungen verändert, oder haben die Veränderungen von Temperatur und Strecke viel grössere Auswirkungen? Ausserdem habe ich ja immer nur meine eine schnellste Runde pro Stint festgehalten. Wie waren denn die anderen Runden? War diese eine Runde überhaupt representativ oder nur glücklicher Zufall? Fragen über Fragen, keine schlüssigen Antworten, ein Tag geht zu Ende. Immerhin gehen wir nach einer eiskalten Dusche noch was Schlaues essen, mein Zelt ist aufgebaut und ab in den Schlafsack. Vor zwei Jahren habe ich hier ohne Zelt geschlafen und bin gegen morgen im Frost fast erfroren.

Renntag, 27. Mai
0910 Erstes Training

Durch die Nacht hat’s geregnet. Die Strecke ist immer noch nass. So lass ich das erste Training aus. Bringt mir nix, rumrutschen und von der Strecke fallen kann ich nachher noch genügend. Ein besseres Setup kann ich so ehh nicht finden.

0940 Zweites Training

Die Strecke ist mehr oder weniger trocken. Jetzt gehe ich doch mal raus und drehe ein paar Runden. Nix aufregendes.

Nach dem Training mache ich nen Check, reinige mein Kart und suche, ob sich was finden lässt, was ich noch einstellen oder reparieren könnte. Tatsächlich finde ich einen gerissenen Auspuffträger. Sollte aber noch halten, und das tut es dann auch bis zum Schluss. Auf die Waage möchte ich auch noch vorgängig, weil ich nicht mehr genau weiss, wieviel Benzin ich für mein Mindestgewicht brauche. Hoppla, meine Bremse hat Öl verloren. Naja, 15 Minuten sollten dafür reichen. Also rasch neu belüften und ab zur Waage. Schon ist Zeit fürs Zeitfahren.

1020 Zeittraining

Gibt’s ja nicht! Meine Bremse hat schon wieder Öl verloren! Ok, wieder rauf zu meiner „Box“ und jetzt aber ein bisschen vorwärts machen. Ich möchte auch noch ne vernünftige Zeit im Zeitfahren kriegen. Aber wo ist denn mein Bremssystem undicht? Nirgendwo seh ich wirklich Ölspuren. Und schon finde ich eine kleine Dichtung, die mir beim ersten Entlüften rausgefallen ist. Die ist einseitig zerquetscht, weshalb wohl am Anfang überhaupt Öl rausfloss. Zum Glück habe ich eine Ersatzdichtung dabei, 5 Minuten später kann ich doch noch ein paar Runden drehen. Dummerweise hat’s schon angefangen zu tröpfeln, deshalb sind meine Zeiten völlig kapputt.

1100 Wetterpropheten sind gefragt.

Beginnt’s zu regnen oder nicht? Die einen bleiben cool, die anderen machen auf Hektik. 5 Minuten vor unserem Start regnet’s aus Kübeln. Allen, naja fast allen, ist klar, dass es nur mit Regenreifen funtionieren wird. Also auch ich, umrüsten auf Regen, das Wochenende wird grad rasch 200 Stutz teurer.

1145 Erster Vorlauf

Da ich keine schlaue Zeit im Zeittraining habe, starte ich von weit hinten. Aber glücklicherweise komm ich im Startgetümmel schon in der ersten Runde ziemlich weit nach vorne. Und plötzlich läuft’s super. Vorne gehen zwar einige ziemlich rasant weg, aber von hinten kommt keiner nach. Einige bekanntermassen gute Fahrer können nicht wirklich Boden gut machen. Interessant. Die Strecke trocknet in den 10 Minuten schnell ab. Aus dem Kart ist’s nicht einfach zu sehen, wo noch Wasser liegt. Die Regenreifen werden rasch ziemlich laut. Sind sie bald kaputt? Zu heiss? Oder ist sonst was am Kart lose? Der Speed scheint aber noch zu stimmen. Am Schluss lande ich auf dem dritten Rang in diesem Lauf. Soweit vorn war ich noch nie! Ok, der eine oder andere sind rausgefallen. Trotzdem, so lässt sich’s leben.

1430 Zweiter Vorlauf

Die Strecke ist völlig trocken. Über Mittag hat die Sonne so warm gestrahlt, dass sogar die Sonnenbrille zum Einsatz kam. Jetzt geht’s also auf Slicks raus. Wie immer komm ich eher spät zum Vorstart und bin ganz erstaunt, dass ich durch’s ganze Feld hindurch bis in die zweite Startreihe nach vorne muss. Ganz neue Aussichten hier! Da sieht man ja was und die Formationsrunde ist auch stressfrei, ohne Handorgeleffekte und Gerangel wegen Fahrer, die sich wieder irgendwo 4 Reihen weiter vorne einordnen sollten. Der Start kommt auch gut. Die Fahrer in diesen Regionen haben’s schon gut im Griff, in welches Loch man sich noch reinsetzen kann und wo’s wohl nicht mehr reicht. Aber auch hier hoppelt der eine dem andern übers Vorderrad, glücklicherweise aber ohne Schaden. Meine Trockenabstimmung scheint die Vorahnung vom Vortag zu bestätigen: katastrophal. Die Leute ziehen rechts und links, unten und obendurch an mir vorbei. Ich habe keine Chance, am Schluss bin ich auf dem letzten Platz. Shit!

Bis zum Final habe ich viel Zeit und schau mir wieder mein Kart an, vermesse auch die Vorderachse. Hää?? Wie bitte? Die Spur ist vorne 10mm offen? 2mm hätte ich erwartet. Ok, für Regen geht das ja in Ordnung, aber ich bin auch mit den Slicks immer so gefahren… Ursache für meine schlecht Trocken-Performance? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Also 2mm eingestellt, das sollte nach Mojo-Anleitung perfekt sein.

1600 Final

Nach dem schlechten zweiten Vorlauf bin ich nun wieder da wo mich's gewohnt bin, irgendwo im Mittelfeld. Und schon geht’s los. Hier hinten ist das Chaos schon viel grösser als vorne. Da gibt’s Schubser und Rempler, weniger Routine der Fahrer, mehr überschäumende Ungeduld offenbar auch. So muss man viel besser aufpassen, weder abzuschiessen noch abgeschossen zu werden. Was in der Formel1 beim Start abgeht und wie soviele Autos meistens doch heil in die erste Kurve kommen ist mir schlicht schleierhaft. Bei uns geht aber diesmal alles gut. Bis in die dritte Runde. In der zweiten Kurve nehm' ich’s ein wenig zu optimistisch mit der Bremszone und schon geht’s rund. Zum Glück touchier ich niemanden, dafür geht’s gleich ab ins Kies. Als das Feld weg ist, ziehe ich meine Karre wieder auf die Strecke und presche dem Feld hinterher. Auch schön, freies Fahren ohne Hindernisse, aber natürlich nicht ganz so spannend. Sollte es aber sein, mindestens sollte ich versuchen, genau so konzentriert zu fahren und keine Fehler zu machen. Nach der ersten Kurve fehlen mir aber doch das eine Mal die entscheidenden 20 Zentimeter. Mein rechtes Hinterrad fällt hinter dem Curb ins Leere, worauf sich das Kart auf dem Zahnkranz abstützt. Nicht gut. Der Zahnkranz ist natürlich krumm. Nach 200m verlier’ ich als Folgeschaden die Kette. Fertig, tschüss.

Analyse in der Box

Naja, das Rennen war ehh kapputt, die 60 Stutz für den Kranz und die Kette machen’s auch nicht mehr aus. Aber wieso war ich bloss so langsam? Mir fehlen eine halbe Sekunde auf den nächst-besseren Fahrer, eine Sekunde bis ins Mittelfeld, 2 Sekunden bis zur Spitze. DAS SIND EWIGKEITEN. Das Chassis ist wohl nicht per Definition schlecht. Meine fahrerischen Fähigkeiten sind auch nicht soo mies, mindestens waren sie das im letzten Jahr nicht. Hmm. Eine Ausrede muss her. Ich entscheide mich für die Reifen. Letztes Jahr habe ich mit neuen Reifen arg geknausert,mit teilweise verheerenden Folgen. Aber nachvollziehbar, im zweiten Rennen mit den selben Reifen war ich meistens langsamer, im dritten total abgestürtzt. Im Regen habe ich mal mit alten Reifen mehrere Sekunden auf meinen Kollegen verloren, mit dem ich sonst meist mithalten konnte. Dieses Jahr werde ich wie alle anderen Fahrer für jedes Rennen neue Reifen verwenden. Hier habe ich aber schon am Vortag dieselben Reifen wie fürs Rennen verwendet. Und die Reifen waren zwar ungebraucht, aber vom Vorjahr. Grund genug? Wie gesagt, die Hoffnung stirbt zuletzt. In Hoch-Ybrig werden wir’s sehen, oder vielleicht erst ein Rennen danach. Hochybrig ist ja keine „echte“ Rennstrecke, nur ein Parkplatz, ohne Gummi, ohne Grip. Hoffentlich „schiffet’s“. :-)

Flio "32"

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